Rasenpflege im Frühjahr - von Elmar Mai

Dem Klimawandel ist es zu „verdanken“, dass der Rasen schon zeitig im Jahr die Strapazen des Winters überstanden hat und wächst und grünt. Wer ihn bis jetzt richtig gepflegt hat, ihn also gut gedüngt und nicht allzu forsch geschnitten hat und trotzdem mit dem Resultat nicht zufrieden ist, sollte vielleicht über weitere Maßnahmen nachdenken.

Dazu ist es erforderlich, sich mit der Bodenstruktur und der Nutzung des Rasens im Vorjahr zu beschäftigen. Wer einen sogenannten schweren Boden besitzt, der außerdem häufig betreten wurde, muss betrübt feststellen, dass er stark verdichtet ist. In solchen Fällen dringen weder Luft, Wasser noch Dünger ungehindert in tiefere Schichten ein, die Wurzeln sind unterversorgt und das Gras verkümmert. Verdichtete Böden im Blumen- oder Gemüsebeet lassen sich durch Hacken oder je nach Verdichtungsgrad auch durch Umgraben wieder lockern, bei einem Rasen wären solche Maßnahmen aber kontraproduktiv. Für solche Fälle hat die Industrie Vertikutierer erfunden, die dieses Problem elegant lösen.

Cramer VertikutiererBeim Vertikutierer sind an einer schnell drehenden Walze dicht stehend kleine Messer angebracht, die je nach Höheneinstellung mehr oder weniger tief in den Boden einschneiden und die Rasenfläche lockern. Das klingt brutal und ist es auch, bei verdichteten Böden ist das aber die einzige Möglichkeit, den Untergrund wieder zu lockern und zu vitalisieren. Dass der Rasen dabei einiges „mitbekommt“ lässt sich leider nicht vermeiden.

Damit das Gras zerschnittene Wurzen und andere Verletzungen schnell wieder heilen kann, ist es unbedingt notwendig, dass es auf diese Maßnahme gut vorbereitet wurde. Es gilt also immer die Grundregel, erst dann zu vertikutieren, wenn das Gras vorher optimal ernährt und geschnitten wurde. Damit liegt automatisch auch der früheste Termin zum Vertikutieren fest. Niemals das geschwächte Gras nach dem Winter noch mehr schwächen, sondern es mit Dünger aufpäppeln bis es stark genug ist, binnen kürzester Zeit den Eingriff zu verkraften. Das ist meist Anfang Mai, in günstigen Jahren ab Mitte April, der Fall. Dabei sollte ein Termin gewählt werden, bei dem der Boden abgetrocknet und danach kein Regen zu befürchten ist, sonst verschlämmt der Boden gleich wieder. Das Vertikutieren gut planen, also den Rasen zwei Tage vorher durchdringend wässern, falls es schon länger trocken war, relativ kurz mähen und nach dem Vertikutieren mit einem Rasenrechen sorgfältig alles herausgearbeitete Material abrechen und kompostieren. Anschließend ein paar Tage lang den Rasen nicht betreten. Der Wasservorrat in den tieferen Schichten reicht aus, damit das Gras mit neuem Wachstum beginnen kann, die Schnitte im Boden durchwurzelt und die „Wunden“ schließt. Dadurch bleibt der Boden locker. Erst ein paar Tage später mit dem Wässern beginnen, falls nötig.

Wenn es nicht erforderlich erscheint, seinen Rasen mit einem Vertikutierer zu traktieren, gibt es eine schonendere Methode: Das Striegeln. Denn nicht nur verdichtete Böden setzen dem Rasen zu, auch Bodenfilz, der allzu leicht übersehen wird. Dieser Filz fällt beim Mähen an, wenn kleine Rasenschnipsel auf den Boden fallen, denn ein Fangkorb fängt längst nicht alles auf. Auch bei Mulchmähern gelangt viel organisches Material auf den Rasengrund, das sich nicht zersetzt. Dieser Filz wirkt dann wie ein verdichteter Boden und sperrt nach unten Luft und Wasser ab.

Husqvarna AerifiziererSportlich aktive Rasenfreunde dürfen dann gerne zum Rasenrechen greifen und diesen Filz heraus kämmen. Das strengt ganz schön an und liefert erstaunlich viel Biomasse, die als Wertstoff auf den Komposthaufen darf. Aber es gibt natürlich auch motorbetriebene Geräte ähnlich den Vertikutierern, manche sogar als Sonder-Zubehör in Kombi-Geräten, die die Arbeit erheblich vereinfachen, besonders solche mit Fangkorb. Sie sind unter Namen wie Rasenlüfter, Aerifizierer oder Moosrupfer im Handel. Diese Geräte besitzen federgedämpfte Krallen, die über den Boden kratzen ohne einzuschneiden, müssen aber schwer genug sein, sonst hoppeln sie wirkungslos über die Fläche. Qualitätsprodukte entfernen auch zuverlässig hartnäckiges Moos. Striegeln bedeutet eine Art Massage für den Boden, erleichtert das Eindringen von Wasser, Dünger und Luft und regt das Graswachstum an. Auch uns Rasenfreunden tut eine Massage ja gelegentlich gut. So sollte das Rasenstriegeln keine Einmalaktion sein, sondern als Hygiene-Maßnahme mehrmals im Jahr angewendet werden, vor allem auch bei Böden, die zum Verdichten neigen. Das verhindert viele Rasenkrankheiten und mäßigt Moos- und Unkrautwuchs.