Baumschnitt: Im Winter oder im Sommer?

3. Februar 2021

Für jeden Gartenbesitzer stellt sich die Frage: Wann müssen Bäume, Büsche, Hecken geschnitten werden? In diesem Ratgeber-Artikel erfahren Sie den richtigen Zeitpunkt für den Baumschnitt und erhalten einen Überblick über das richtige Werkzeug.

Der reine Winterschnitt - ein Relikt aus alten Zeiten


In vielen Köpfen hat sich als ideale Baumschnittzeit der Winter eingeprägt. Diese Erkenntnis entstammt aber nicht des Wissens um den besten Termin für den Baum, sondern entstammt aus einer Zeit, in der Baumschnitte überwiegend in der Landwirtschaft stattfanden. Dieser Baumschnitt wurde dann nur aus einem einzigen Grund im Winter durchgeführt: Die Landwirte hatten dann am meisten Zeit dafür. Heute weiß man, dass für die meisten Bäume der Sommerschnitt deutlich gesünder ist.

Wenn man den Baum selbst fragen könnte, würde er sagen: "Gar nicht schneiden", denn der Baum selbst benötigt keinen Baumschnitt. Dieser Eingriff ist erst durch den Menschen entstanden, der aus verschiedenen Gründen dem normalen Wuchs des Baumes Einhalt gebieten möchte. 

Dafür gibt es drei Gründe:

  • Meistens dient der Baumschnitt einfach dazu, die räumliche Ausbreitung eines Baumes oder Busches zu kontrollieren.
  • Auch die Sicherheit (z. B. bei altem, hohem Baumbestand) ist ein Grund für den Baumschnitt. Damit Nachbars oder das eigene Haus nicht von abbrechenden Ästen oder umstürzenden Bäumen beschädigt werden, ist der Griff zur Motorsäge manchmal nicht zu vermeiden.
  • Mit der Kultur von Obstgehölzen kam ein weiterer Grund für den Baumschnitt hinzu: Bei Obstbäumen kann ein regelmäßiger und richtiger Baumschnitt den Ertrag erhöhen. 
Diese drei Gründe, einen Baum zu beschneiden, definieren wir daher heute als Formschnitt, Entlastungsschnitt und Ertragsschnitt.

Der Formschnitt


Im Prinzip können Sie den Formschnitt an Bäumen und Büschen jederzeit durchführen. Vermeiden sollten Sie einen Schnitt während des Austriebes des Baumes, da der Baum dann besonders viel Saft produziert - der Baum blutet dann aus. 

Auch in der Phase des Laubabwurfes ist ein Schnitt nicht zu empfehlen, da der Baum sich aus den Blättern vor dem Abwurf Nährstoffe zurückholt. 

Ideal und auch für den Gärtner logistisch am einfachsten ist der Beschnitt in der blattlosen Zeit

Zu berücksichtigen beim Baum- und vor allem beim Heckenschnitt sind gesetzliche Einschränkungen:

  • So definiert das Bundesnaturschutzgesetz, dass in der Vogelbrutzeit vom 1.März bis 30.September keine Radikalschnitte an Bäumen und Hecken vorgenommen werden dürfen. 
Als verantwortlicher Gartenbesitzer sollte in jedem Falle vor dem Hecken- und Baumschnitt kontrolliert werden, wer denn da so im heimischen Gehölz lebt und vielleicht gerade den Schutz des Blätterwerkes dringend benötigt, um seinen Nachwuchs großzuziehen.

Der Formschnitt ist ein recht sensibler Schnitt. Er sollte daher bei Bäumen mit Bedacht darauf ausgeführt werden, wie sich der Baum optisch nach dem Beschnitt präsentiert. 

Um einen Baum lediglich an zu starker Ausdehnung zu hindern, reicht es aus, etwa ein Drittel der Triebe abzuschneiden. Das geht am besten mit der Handgartenschere oder Astschere, da diese Triebe in der Regel nicht so stark sind, dass es einer Motorsäge bedarf. Für höhere Bäume empfehlen sich Hochentaster oder manuelle Astsägen.

Bei dichten Sträuchern und Hecken kommt man ohne motorische Hilfe kaum aus. Bei Hecken kommt es auch weniger auf den einzelnen Ast, sondern auf die gesamtheitliche Form oder Höhe an. Diese Präzision wird zwar auch mit einer manuellen Heckenschere erreicht, ist aber sehr viel kraft- und zeitaufwändiger als der Einsatz einer elektrischen oder benzinbetriebenen Heckenschere

Gerade im Bereich der Heckenscheren, Hochentaster und Astscheren haben in den letzten Jahren Akku-Gartengeräte mit folgenden Vorteilen den Markt erobert:

  • Umweltfreundlich
  • Leise 
  • Leistungsstark

Hier kann der Fachhändler vor Ort je nach Anwendungsfall die passenden Geräte anbieten oder für den Fall des nur gelegentlichen Einsatz auch ein Mietgerät anbieten.

formschnitt
Hier ein Beispiel für einen Formschnitt an einer Zierpflaume. Zweck ist hauptsächlich, die zu starke Ausdehnung der Baumkrone zu verhindern.








stark-wuchernd
Bei sehr stark wucherden Büschen oder Hecken kann im Winter ein radikaler Formschnitt wieder für einen etwas geordneteren Wuchs sorgen.

Der Entlastungsschnitt


Hierbei geht es darum, tote oder zu starke Äste aus dem Baum zu schneiden. Der ideale Termin lässt sich dafür nicht so leicht definieren. Tote Äste erkennt man natürlich am besten, wenn der Baum bereits wieder im Laub steht. 

Auch stark überhängende Äste oder nachbarschaftliche Streitigkeiten über die Wuchsfreude eines Baumes können den Termin bestimmen - und das ist auch nicht weiter schlimm für den Baum. 

Entlastungsschnitte können eigentlich immer erfolgen, wenn sich die Situation dazu ergibt. So bietet der Spätsommer eine gute Gelegenheit, vor den ersten Herbststürmen noch einmal das heimische Gehölz nach potentiellen Gefahrenstellen zu sichten und dann entsprechend gleich zu handeln.

Beim Entlastungsschnitt geht es nicht selten um stärkere Äste, die entfernt werden müssen. Hier wird der Gartenbesitzer um den Einsatz einer Motorsäge kaum herum kommen. Auch beim vollständigen Fällen empfehlen sich motorbetriebene Geräte oder, bei größeren Bäumen, sogar das Hinzuziehen eines Gartenprofis

Da Bäume in Gärten zumeist schneller wachsen als in der Wildnis, weil sie oft solitär ohne Wettbewerb stehen, kann eine 30-jährige Eiche oder eine hohe Tanne durchaus das Know-How oder den Gerätepark des Gartenbesitzers übersteigen. Hier sollte sich der Gartenbesitzer auch nicht überschätzen und auch Sicherheitsvorkehrungen wie Schutzbekleidung beim führen einer Motorsäge beherzigen. 

Auch die Fallrichtung eines Baumes kann sich für den Laien ganz anders entwickeln als er sich das vorgestellt hat und das nachbarliche Carport in einem völlig neuen Design aus der Fällaktion herausgehen lassen. Gerade bei größeren Bäumen zeigt sich die tatsächliche Fallrichtung dem Laien erst dann, wenn er fällt - und dann ist es für ein weiteres Eingreifen definitiv zu spät.

eiche
Keine Seltenheit: eine 25 m hohe Eiche im Garten. Hier sollte ein Profi hinzugezogen werden, der den notwendigen Entlastungsschnitt und tote Äste aus dem Baum entfernt, ohne den Charakter des Baumes zu zerstören.

Der Ertragsschnitt


Wer seinem Obstbaum mehr Früchte abgewinnen möchte, als dieser in seinem natürlichem Wuchs hergeben möchte, der schneidet im Frühjahr. 

Äste ohne Blütenansätze oder so genannte Wasserträger werden ebenso entfernt wie zu dichte blütentragende Äste, die eventuell die Früchte am Baum beschatten würden. 

Als Faustregel zum Beispiel beim Apfelbaum gilt: 

  • Knapp 10 Blätter versorgen den Apfel, alle weiteren verbrauchen nur Nährstoffe des Baumes. 
  • Je mehr Äste am Obstbaum ohne Blüten/Früchte belassen werden, desto weniger Nährstoffe bleiben für die Fruchtbildung übrig. 

Als optimale Schneidmonate gelten für Steinobst und Kernobst die Monate Januar bis März. Eine Ausnahme bildet die Kirsche, diese sollte am besten direkt nach der Ernte beschnitten werden.

Beim Ertragsschnitt kann der Gartenbesitzer am wenigsten falsch machen - es sei denn, er ist existenziell vom Ertrag des Baumes abhängig. Daher kann beim Ertragsschnitt etwas großzügiger zurückgeschnitten werden - schlimmstenfalls ernten Sie dann halt ein paar Früchte weniger. 

Der Ertragsschnitt ist der klassische Fall für die Handgartenschere und die kleinere Astschere. Wie beim Baumformschnitt werden hier in der Regel nur kleinere Äste entfernt und der Baum so ausgelichtet.

wassertraeger
So genannte Wasserträger: Blütenlose, oft unverzweigte Astpeitschen wachsen meist aus dem Kronenansatz heraus und sollten entfernt werden.
mirabelle-wassertraeger
Mirabellenbaum mit Schnittbedarf. Die Äste dürfen ruhig großzügig um die Hälfte eingekürzt, lichtbehindernde Äste auch komplett entfernt werden.

Der Radikalschnitt


Manchmal kommt man nicht umhin, einen Busch radikal zu beschneiden.

Das sollte aus zwei Gründen idealerweise in der laublosen Zeit erfolgen:

  • Zum einen sind dichte Büsche beliebte Vogelnistplätze.
  • Zum anderen ist die Entsorgung von blattlosen Ästen deutlich einfacher zu bewerkstelligen. 

Hier gilt die Faustregel: Lieber etwas stärker zurückschneiden als zu wenig.

Gerade Büsche, die über ein Jahr durchaus 5 m oder mehr an Trieben erzeugen, verzeihen einen stärkeren Rückschnitt und lassen sich so besser in ihrer Ausdehnung kontrollieren.

Radikaler Baumschnitt
Manchmal hilft nur noch ein Radikalschnitt.